Wittenberger Hofkapelle

Konzertprogramme

Paul Eber – Der Wittenberger Liederdichter

Das Konzertprogramm widmet sich den Texten des Wittenberger Theologen und Liederdichters Paul Eber, dessen 500. Geburtstag wir 2011 feierten.

Kaum zu glauben, dass der Mann in seinen nur 58 Lebensjahren alles geschafft haben soll, was in seiner Biografie steht. Paul Eber stammte aus einer Kitzinger Schneiderfamilie und hatte zwölf Geschwister. Als 13-Jähriger wurde er von einem Pferd abgeworfen, wodurch er zeitlebens gekrümmt blieb. Doch er war begabt und wurde konsequent gefördert. Kaum hatte sich Paul Eber am 1. Juni 1532 an der Universität Wittenberg eingeschrieben, begann das, was man heute eine akademische Blitzkarriere nennen würde: philosophische Magisterwürde, Aufnahme in den Senat der philosophischen Fakultät, Professur für Latein, dann für Physik, später lateinische Grammatik. Paul Eber wurde Dekan der philosophischen Fakultät, lehrte die hebräische Sprache, stand der Universität als Rektor vor. Parallel verfolgte er seine theologische Laufbahn, promovierte, erhielt die Oberpredigerstelle an der Wittenberger Schlosskirche und wurde in der Nachfolge Johannes Bugenhagens Generalsuperintendent des sächsischen Kurkreises und Oberpfarrer der Wittenberger Stadtkirche. Kein Wunder, dass sich der Name in ganz Europa herumsprach.

Auf Bedeutung und Bekanntheit Paul Ebers lässt nicht zuletzt die Vielzahl der Komponisten schließen, die sich seiner religiösen Dichtungen und Übersetzungen annahmen. Mit ihrem Programm des Liederdichters, Predigers, Historikers, Theologen und Astronomen präsentiert die Wittenberger Hofkapelle einen bislang unerhörten Schatz und würdigt zugleich einen Universalgelehrten. Unbekannte Namen, nie oder fast nie gespielte Sätze aus dem musikalischen Alltag der zweiten Wittenberger Reformatorengeneration verleihen dem Konzert besonderes Flair.


Programm: „Herr Gott, dich loben alle wir“
(Besetzung: 5 Sänger, 2 Gamben, Laute)

1. Herr Gott, dich loben alle wir

Cantus firmus
Johann Hermann Schein 1623 - Geistliches Konzert für Sopran und Tenor mit B.C.

2. Herr Jesu Christ, wahr Mensch und Gott
Cantus firmus
Caspar Othmayr Bizinium für 2 Gamben
Gallus Dressler 1565 1. Strophe
Hans Leo Hassler 1610 2. Strophe
Martin Zenner 1610 3. & 4. Strophe

3. Lucerna pedibus meis
Paul Melissus Schede 1580 - Motette über Paul Ebers Wahlspruch

4. Helft mir Gotts Güte preisen
Cantus firmus
Paul Eber 1575 1. Strophe
Johann Hermann Schein 1623- Geistliches Konzert für Sopran und Tenor mit B.C.
2. Strophe

5. Wenn wir in höchsten Nöten sein
Cantus firmus
Michael Praetorius Bizinium für 2 Gamben
J. Baptist Seranus 1567 (Das Gebet Josaphat) 1. Str. (Früheste Veröffentlichung dieses Liedes)
Antonio Scandello 1568 2. Strophe
Johann Hermann Schein 1610 3. & 5. Strophe
Bartolomäus Gesius 1601 4. Strophe
Jacob Meiland 1569 6. & 7. Strophe

6. Hymnus de Sanctis Angelis
Der lateinische Hymnus von Philipp Melanchthon: einstimmig auf die Melodie von Lukas Lossius; mehrstimmig auf einen anonymen Satz aus einer Wittenberger Handschrift, anschließend die Übersetzung von Paul Eber auf einen Satz aus derselben Handschrift

7. In Christi Wunden schlaf ich ein
Lautenduo Paduana
Rezitation
Cantus firmus
Johann Hermann Schein 1623 Geistliches Konzert für Sopran und Tenor mit BC, 2.Strophe

8. Herr Jesu Christ, wahr Mensch und Gott
Michael Praetorius Bizinium für 2 Gamben
Gotthart Eryträus 1608 5. Strophe
Matthäus Le Maistre 1566 6. & 8. Strophe
Bartolomäus Gesius 1601 7. Strophe
Johann Eccard 1597 9. Strophe

9. Helft mir Gotts Güte preisen
Lautenduo Une jeune fillette
Bartolomäus Gesius 1601 1. Strophe
Hans Leo Hassler 1610 3. Strophe
Leonhard Schröter 1562 4. Strophe
Wolfgang Figulus 1575 5. Strophe
Johann Eccard 1597 6. Strophe

10. Herr Gott, dich loben alle wir
Esaias Reussner Intavolierung für Laute
Johann Hermann Schein 1627 1. Strophe
Michael Praetorius 1609 4. Strophe
Samuel Mareschal 1564 7. Strophe
Michael Praetorius 1609 10. Strophe
Bartolomäus Gesius 1601 11. + 13. Strophe

Die Dichtung Philipp Melanchthons in der Musik seiner Zeit

Wer Philipp Melanchthon ehren will, kommt an der Musik seiner Zeit nicht vorbei. Schon von seinen Zeitgenossen wurde Melanchthon als der zweite große Mann der Reformation angesehen. Noch zu Lebzeiten beider brachte man ihm beinahe dieselbe Verehrung entgegen wie Luther; oft werden beide im selben Atemzug genannt. Das kommt beispielsweise in der Motette zum Ausdruck, die Johann Walter zur Einweihung der Schlosskirche in Torgau 1544 komponierte: Sechs Stimmen singen einen Satz über den 118. Psalm. „Beati immaculati" – Wohl denen, die ohne Tadel leben – heißt es darin, während der Bass fortwährend skandiert: Vive Luthere, vive Melanchthon! Nach Luthers Tod zeigte sich jedoch ein Zwist zwischen den Anhängern Luthers und denen Melanchthons. In fast bürgerkriegsartiger Weise gingen in den folgenden Jahren Städte von einer Partei an die andere, was die bisherigen Amtsträger oftmals zur Flucht nötigte. Aus dieser Zeit stammt die Motette „Subditus esto Deo/Thu recht“. Für ihren Text verwendete Gallus Dressler einerseits Worte von Melanchthon, andererseits vertonte er im Tenor die Überschrift einer philippistischen Kampfschrift: „Thu recht, lass Gott walten“. Auch nachdem diese innerevangelischen Konflikte sich gelegt hatten, blieb eine starke Melanchthon-Verehrung bestehen. Seine Texte wurden zahlreichen Kompositionen zugrunde gelegt, nicht nur die an den Schulen beliebten neugeschaffenen Hymnen, etwa von Seth Calvisius, sondern auch seine Gedichte und Gebete, wie sie etwa Melchior Franck vertonte. Dass Melanchthons Texte so häufig in Musik gesetzt wurden, kann seinen Grund auch darin haben, dass Melanchthon als großer Liebhaber und Förderer der Musik in Wittenberg angesehen wurde. Noch zwanzig Jahre nach seinem Tod heißt es in einem Gedicht auf Melanchthon: “Car ita Leucorea tum Musica floruit urbe? Hanc magnifaciens causa Philippus erat.” – „Warum blühte derart die Musik in der Stadt Wittenberg? Die Ursache war Philippus, der sie hoch schätzte.“

 

Programm
(Besetzung: 5 Sänger, 1 Blockflöte, 2 Gamben, Laute, Spinett)

1. Johann Walter (1496 – 1570)
Beati immaculati a 7
Motette zur Einweihung der Schlosskirche Torgau 1544

2. Leonhard Paminger (1495 – 1567)
Ecce ego mitto vos sicut oves in medio luporum
M. gewidmet anlässlich seiner Verhandlungsführerschaft auf dem Reichstag in Regensburg 1541

3. Caspar Othmayr (1515 – 1553)
Non Metuam/ Si Deus
Melanchthon gewidmete Motette in: Symbola 1547

4. Anonymus
Dicimus grates tibi - Hymnus de Sanctis Angelis
Melanchthons Hymnus über die Engel aus: L. Lossius: Psalmodia 1553

5. Hermann Finck (1527 – 1558)
Pectus ut in sponso
Hochzeitsmotette für H. Krappen 1555

6. Seth Calvisius (1556 – 1615)
Herr Gott dich loben alle wir
Übersetzung des Dicimus grates tibi von Paul Eber (1511 – 1569)

7. Gallus Dressler (1533 – 1585)
Subditus est/Thu recht

8. Gallus Dressler
Vespera nunc venit

9. Melchior Franck (1580 – 1639)
Vespera iam venit

10. Seth Calvisius
Doxologie


Georg Forster (1510 – 1568) „Bedenk dich schon“

Georg Forster (um1510-1568) war ein Arzt und Komponist. Sein Wirken reicht bis in unsere Tage durch seine Sammlung und Herausgabe der fünf Bände „Frische teutsche Liedlein” (1539-1556). Neben zahlreichen anonymen Volksweisen und „Evergreens" enthalten sie Kompositionen von Forster selbst und seinen Heidelberger Freunden Jobst von Brandt, Paul Hofhaimer, Caspar Othmayr und Stefan Zirler.
Georg Forster kam 1534 als Stipendiat nach Wittenberg, wo er Bekanntschaft mit Luther und Melanchthon schloss. Luther nahm ihn in seine Tischgemeinschaft auf und erteilte ihm Kompositionsaufträge.

Programm:
(Besetzung: 4 Sänger, 2 Gamben, Blockflöte, Laute)

Prolog: In deutschem Land was etwas Schand

Szene 1: Junger Mann
Ich junger Mann, was hab ich g`tan
Herzliebster Wein, von mir nit weich
Gut Gsellen und auch kühler Wein
Ich armer Knab bin gar schabab


Szene 2: Maidlein fein – Herzliebster Mann
Herzliebster Mann
Ach Maidlein fein, bedenk dich schon

Szene 3: Mein freundlichs B


Epilog: In deutschem Land was etwas Schand

Psalmvertonung der großen Reformatoren Luther und Calvin

2009 begingen wir Johann Calvins (1509 – 1564) 500.Geburtstag. Mit einem festlichen Konzert soll auf den Reformator, sein Schaffen und seine Musik in einem Kontext zu Martin Luther hingewiesen werden. Im Zentrum steht hierbei der so genannte Genfer Psalter, welcher weltweite Verbreitung im evangelischen Liedgut gefunden hat.

Unter calvinistischer Musik versteht man im Allgemeinen die auf Psalmen oder anderen Bibeltexten beruhende, ursprünglich zum Gebrauch in der protestantisch-reformierten Kirche Johann Calvins komponierte Musik. Calvins Vorschriften über die Verwendung von Bibeltexten, für die in seiner Genfer Kirche gesungenen Musik, unterscheiden sich von der lutherischen Praxis des Choral- oder Hymnengesangs; deren Texte, obschon biblischen Ursprungs, waren nicht zwangsläufig Versfassungen von Bibeltexten.

Nachdem Ulrich Zwingli (1484-1531) die Kirchenmusik zeitweise völlig aus dem Gottesdienst der reformierten Kirche verbannt hatte, ließ Johannes Calvin, der nach dessen Tod die Führung der reformierten Kirche übernahm, den Gemeindegesang wieder unter strengen Auflagen zu. Calvin hatte in Straßburg den Gemeindegesang in Form von Psalmliedern kennengelernt. So durften jetzt im Gottesdienst nur Psalmtexte oder Nachdichtungen gesungen werden. Der Gesang musste einstimmig sein. Für die Psalmmelodien gab es strenge Regeln, u.a. geringer Tonumfang, ohne Melismen, einfacher Rhythmus.

Erst nach Calvins Tod fanden schlichte vierstimmige Chorsätze ihren Platz im reformierten Gottesdienst, jedoch hatten die Psalmlieder mit ihren Melodien bei den Komponisten begeisterte Aufnahme gefunden, sodass z.B. für Privatandachten in Bürgerhäusern bald eine Vielzahl von mehrstimmigen Vertonungen entstand.

In unserem Konzert hören Sie 4-stimmige Psalmvertonungen von Louis Bourgois und Claude Goudimel, desweiteren Bearbeitungen des niederländischen Orgelvirtuosen Jan Pieterszoon Sweelinck, sowie Diminutionen über Psalmmelodien des Blockflötisten Jacob van Eyck, die sich in seiner umfangreichen Sammlung von Solostücken für Blockflöte „Der Fluyten Lusthof“ befinden.

In den Wittenberger Drucken Georg Rhaus (1488-1548), die 10 umfangreiche Sammlungen mit Werken zeitgenössischer Komponisten umfassen, (ein unschätzbarer Fundus unserer mitteldeutschen Traditionen) findet man Psalmvertonungen u.a. von Balthasar Resinarius und Caspar Othmayr, die in unserem Konzert erklingen werden. Beide Meister des Liedsatzes Anfang des 16. Jahrhunderts gelten als wichtigste Vertreter der ersten protestantischen Komponistengeneration.

 

Programm
(Besetzung: 4 Sänger, Blockflöte, Gambe, Laute) 

1. Ach Gott vom Himmel sieh darein
Bizinium
Balthasar Resinarius (1486 – 1544)  
Caspar Othmayr (1515 - 1553)
Mattheus Le Maistre (um 1505 – 1577)

2. Ps. 23 Der Herr ist mein Hirte
Valentin Rab (um 1522 - 1596)

3. Ps. 140 O Dieu donne-moi delivrance
Claude Goudimel (um 1484 – 1531)
Jacob van Eyck (1590 – 1657)

4. Ps. 130 Aus tiefer Not schrei ich zu dir
Balthasar Resinarius

5. Ps. 130 Du fond de ma pensée
Pascal de l´Estocart (1539 – nach 1584)

6. Ps. 130 Lord to thee I make my moan
John Dowland (1563 - 1626)

7. Ps. 124 Wo Gott der Herr nicht bei uns hält
Jan Pieterszoon Sweelinck
Balthasar Resinarius

8. Ps. 23 Mon Dieu me paist
Louis Bourgois (um 1510 - 1561) 

9. Ps. 104 Sus, sus, mon ame
Philibert Jambe de Fer (1515 – 1566)

10. Ein feste Burg
Michael Praetorius (1571 - 1621)

 

Klangwelten um Poesie und Dichtung Paul Gerhardts

Paul Gerhardt, dessen Geburtstag sich 2007 zum 400. Mal jährte, gilt in der Geschichte des evangelischen Kirchenliedes neben Martin Luther als wichtigster Liedschöpfer. Er schrieb etwa 134 deutsche und 14 lateinische Gedichte.

Paul Gerhardt wurde am 12.3.1607 in Gräfenhainichen geboren, besuchte die Fürstenschule in Grimma, studierte Theologie in Wittenberg, wirkte in Berlin, Mittenwalde und Lübben, wo er am 27.5.1676 verstarb.

Während seiner Berliner Tätigkeit als Diakonus an der Nikolaikirche verband ihn eine enge Freundschaft und Zusammenarbeit mit den Kantoren Johann Crüger und dessen Nachfolger Johann Georg Eberling. So hatte Johann Crüger in seiner „Praxis pietatis melicia“ 15 Gedichte von Paul Gerhardt vertont. Auch Johann Georg Eberling verwendete viele seiner Gedichte und widmete ihm das Werk „Pauli Gerhardi geistliche Andachten“.

In unserem Konzert erklingen unter anderem Lieder dieser beiden Werke, Musik aus den „Kleinen geistlichen Konzerten“ des Zeitgenossen Heinrich Schütz, sowie Liedbearbeitungen eines bis jetzt noch unveröffentlichten Drucks.

Die Musiker spielen auf historischen Instrumenten, wie z.B. auf Barockviolinen, Gambe, Laute und Dulzian, um dem Klangideal dieser Zeit so nahe wie möglich zu kommen.

 

Programm
(Besetzung: 4 Sänger, 2 Violinen, 2 Blockflöten, Gambe, Laute, Dulzian, Cembalo) 

1. Johann Crüger (1598–1663)
Wach auf mein Herz und singe
Nun danket all und bringet Ehr
Lobet den Herren, alle die ihn ehren

2. Johann Schop (um 1590-1667)
Paduana und Canzona

3. Heinrich Schütz (1585–1672)
Bringt her dem Herren

4. Johann Georg Eberling (1637–1676)
Die güldne Sonne voll Freud und Wonne
Du meine Seele singe

5. Tobias Michael (1592–1657)
Es stehe Gott auf

6. Heinrich Schütz
Habe deine Lust an dem Herren

7. Johann Georg Ebeling
Ich singe dir mit Herz und Mund
Warum soll ich mich denn grämen
Der Tag mit seinem Lichte

8. Dietrich Buxtehude (um 1637–1707)
Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort






Italienische Musik um 1600

Programm
(Besetzung: 2 Sänger, 2 Blockflöten, Gambe, Laute)

1. Giovanni Gastoldi (um 1550–1622)
Lo Sdegnato
Il Ballerino

2. Barbara Strozzi (um 1620–nach 1664)
Al battitor di bronzo

3. Biagio Marini (1597-1665)
Donna che loda il canto
Invita all`amorosa riposo

4. Claudio Monteverdi (1567–1643)
Dialogo di ninfa e pastore
Zefiro torna
Si dolce il tormento

5. Vincenzo Calestani (1589–1617)
Damigella, tutta bella

6. Giulio Caccini (um 1550–1618)
Amarilli mia bella
Al fonte al prato

7. Girolamo Frescobaldi (1583–1643)
Canzona prima e seconda
Canzona sesta detta l'altera





Liebeslieder der Renaissance

Programm
(Besetzung: 4 Sänger, 2 Blockflöten, 2 Gamben, Laute) 

Ein megdlein zu dem brunnen gieng
Ludwig Senfl (um 1486 – 1542)

Ich stund an einem morgen
Bizinium anonym, Wittenberg 1545
Trizinium Ludwig Senfl
a 4 Heinrich Finck (1444 - 1527)

Ach Elslein, liebes Elselein
Intavolierung Hans Newsidler (1508 - 1563)
Bizinium anonym, Wittenberg 1545
Trizinium anonym/ Sixtus Dietrich (um 1490 – 1548)
a 4 Ludwig Senfl

Ach Elslein/ Es taget
Ludwig Senfl

Ach Gott, wem sol ich’s klagen
Intavolierung Hans Newsidler

La morra
Trizinium Heinrich Isaac (um 1450 – 1517)

Tröstlicher Lieb
Intavolierung Wolff Heckel (um 1515 - ?)
a 4 Paul Hofhaymer (1459 – 1537)

Zart schöne frau
Intavolierung Hans Newsidler

Ich klag den tag
Bizinium anonym, Wittenberg 1545
a 4 Thomas Stolzer (um 1480 – 1526)
a 4 Ludwig Senfl
Lautenintavolierung Hans Newsidler

Es het ein bidermann
Ludwig Senfl

Ich weiss mir ein Maidlein
Caspar Othmayr (1515 – 1553)

La magdalena
Pierre Attaingnant, 1530

Ein pauer gab seim son
Arnt von Aich (um 1474 – 1530)

So wünsch ich eine gute Nacht
Martin Wolff, 1539

Die Kunst des Küssens

Programm
(Besetzung: 2 Sänger, Barockvioline, Gambe, Laute)

Johann Philipp Krieger (1649–1725)
Ein Küsschen in Ehre In dem 
Dunkeln ist gut munckeln 
Wir armen Jungfern 
Verliebtes Weinen und Lachen 
Die schlimmen Männer

Georg Philipp Telemann (1681–1767)
Die Tugend
Wahre Vorzüg

Valentin Rathgeber (1682–1750)
Von der edlen Musik

Johann Valentin Görner (1702–1741)
Die Wunder der Liebe
Der Kuss
Die verliebte Verzweiflung

Andreas Hammerschmidt (1611–1675)
Kunst des Küssens



 

Ballgeflüster – ein kurzweiliges Stück mit Musik

In Vorbereitung auf das 500. Reformationsjubiläum 2017 wartet die Lutherstadt Wittenberg mit immer neuen Ideen auf. Getreu ihrem Motto, zur Geschichte auch Geschichten zu erzählen, zeigt in diesem Jahr ein Schauspielstück mit Musik, in welchem sich Katharina Luther und Barbara Cranach auf einen Ball am Hofe des Kurfürsten Friedrich der Weise vorbereiten.

Katharina Luther sieht einem großen Ballereignis entgegen. Obwohl sie nicht mehr blutjung ist und auch schon mehrere Kinder hat, ist sie eine Debütantin. Demnächst wird sie in die „feine“ Gesellschaft eingeführt. Der Landesfürst, Kurfürst Friedrich der Weise, hat ihren Mann und sie zum Ball an seinem Hofe eingeladen. Auf die spontane Freude folgen – Frau kennt das – bange Fragen: Was ziehe ich an? Wie bewegt man sich bei Hofe? Wie sind dort die Tischmanieren? Katharina sucht Rat bei ihrer besten Freundin Barbara Cranach.

Nicht zuletzt von den Nachbauten der historischen Musikinstrumenten aus der Renaissancezeit sind die Gäste beeindruckt: Krummhorn und Gemshorn, Renaissancedudelsack und -gitarre, Laute und Glocke. Thomas Höhne, Leiter der Wittenberger Hofkapelle besitzt zahlreiche solcher Instrumente. Im Stück gibt Thomas Höhne den Wittenberger Hofkapellmeister Adam und begleitet gemeinsam mit Gesine Friedrich musikalisch, was die Ehefrauen des Wittenberger Doktors der Theologie, Martin Luther (1483-1546) und des Malers Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553) da treiben. Katja Köhler und Astrid Räuchle stehen als Katharina Luther und Barbara Cranach auf der Bühne.           

Die Handlung zieht die Zuschauer schnell in ihren Bann. Als Katharina triumphierend mit dem Einladungsbrief vor Barbaras Nase herum wedelt, erkennt diese an dem Siegel, dass ihr Mann auch solch einen bekommen hat. Als Tochter eines Gothaer Bürgermeisters kann sie vielleicht nicht lesen und schreiben wie Katharina, meint aber besser zu wissen als die einstige Nonne, wie man sich in den Kreisen von Edelleuten bewegt. Sie übt mit der Freundin den Hofknicks und zeigt ihr, wie man den kleinen Finger spreizt beim Halten des Weinkelches. Auf der Suche nach angemessener Garderobe blättern beide in einem Katalog. Lucas Cranachs Bilder, von reichen Bürgern in Auftrag gegeben, zeigen anschaulich, was zurzeit in Mode ist. Kein Ball ohne Tanz. Aber man könne am Hofe keinen trampeligen „Bauerntanz“ aufführen, wird Katharina belehrt. Beide Frauen üben die feinen Schritte und die bedächtigen Bewegungen des Renaissance-Tanzes. In Ermangelung ihrer eigenen Männer holen sie sich Tanzpartner aus dem Publikum. Das Publikum könne nun auch schon mal üben. Denn morgen werde man sich treffen beim Ball auf Schloss Torgau, fordern die drei Akteure zum Tanzen auf. 

Paganinis heimliche Liebe | Ensemble SpiritoAmor

Die vielseitige Geigerin Claudia Wahlbuhl und der virtuose Gitarrist Thomas Höhne haben sich als Duo SpiritoAmor Originalkompositionen Nicolo Paganinis und der Wiener Klassik verschrieben.

Sie lassen minimalistische Raritäten in ungewöhnlicher und reizvoller Besetzung erklingen und belegen überzeugend, dass Paganini neben seiner schillernden Virtuosität auf der Violine viel Sinn für Melodie und Charakteristika hatte. Von seiner Doppelbegabung als Gitarrist und von seinen Gitarrenkompositionen wissen heute die Wenigsten. Paganini scheute zu Lebzeiten entsprechende Veröffentlichungen, da er verhindern wollte, dass seine Kompositionen nachgespielt wurden. Erst 1910, bei der Versteigerung seines Nachlasses, gelangten seine sechs Sonaten für Violine und Gitarre an die Öffentlichkeit.

Das Herzstück des Programms, Paganinis „Duetto Amoroso”, beschreibt auf wunderbare Weise die Gefühle vom Beginn einer Liebe bis zu ihrem schmerzlichen Ende. Die Satzbezeichnungen heißen: Anfang – Bitte – Zustimmung – Schüchternheit – Zufriedenheit – Streit – Friede – Anzeichen der Liebe – Nachricht von der Abreise – Trennung. Mit Leichtigkeit und Lebendigkeit nähern sich die Musiker dem originalen Klang dieser Zeit und nehmen das Publikum dabei mit.

 

Programm
(Besetzung: Violine, Romantikgitarre) 

1. Nicolo Paganini (1782–1840)
Einleitung und Thema mit Variationen für Violine und Gitarre

2. Mauro Giuliani (1781–1829)
Leichte und vergnügliche Stücke für Violine und Gitarre op. 74
Sostenuto – Menuetto – Grazioso – Allegretto

3. Joseph Küffner (1776–1856)
Serenate C-Dur für Violine und Gitarre op. 49
Romanze – Menuetto Trio Menuetto – Rondo Scherzando

4. Nicolo Paganini
Duetto Amoroso für Violine und Gitarre
Anfang – Bitte – Zustimmung – Schüchternheit – Zufriedenheit – Streit – Friede – Anzeichen der Liebe – Nachricht von der Abreise – Trennung

5. Fernando Sor (1778–1839)
Romanze für Violine und Gitarre op. Posth.

6. Frederic Chopin (1810–1849)
Variationen aus „La Cenerentola” von Gioacchino Rossini für Violine und Gitarre

7. Nicolo Paganini
Sonate für Violine und Gitarre op. 3 Nr. 1
Einleitung – Allegro maestoso – Rondoncino

 

Messmusik an deutschen Klöstern um 1500

Programm

Adam von Fulda (um 1445–1505)
Missa Seit ich dich Herzlieb leiden muß
Antiphon Pange lingua
Hymnus Pange lingua glorioso
Hymnus Veni creator spiritus

Adam Rener (um 1485–1520)
Messe Kyrie – Gloria – Sanctus – Agnus dei
Magnificat quinti toni

 

Passionsmusik

Programm

Antonio Vivaldi (1678–1741)
Gloria D-Dur

(Uppsala 1667)
Historia vom Leiden und Sterben unsers lieben Herrn Jesu

Heinrich Schütz (1585–1672)
Die sieben Worte Jesu Christi am Kreuz

Weihnachtsmusik

Heinrich Schütz
Weihnachtshistorie